Sekundarstufe 1 (7. – 9. Schuljahr)

Sekundarstufe 1 (7. – 9. Schuljahr)

«Nunmehr muss die Erziehungsstufe gewechselt werden. Jetzt beginnt der Moment der gesellschaftlichen Bildung und dem Individuum muss Gelegenheit gegeben werden, soziale Erfahrungen zu machen.»
Maria Montessori

Der Übergang von der Kindheit zum Jugendalter ist ein Zeitraum des psychischen und physischen Wandels. In dieser biografischen Umbruchzeit geht die Auseinandersetzung mit der eigenen Innenwelt (Wer bin ich?) einher mit einer zukunftsgerichteten Auseinandersetzung mit der Aussenwelt (Wie und wo finde ich meinen Platz?). Jugendliche setzen ihre Aktivitäten zunehmend in Bezug zur Gemeinschaft, einschliesslich der Berufswelt, deren Tätigkeitsfelder sie sich schrittweise erschliessen. Montessori spricht in diesem Zusammenhang vom Prozess der «sozialen Geburt». Durch die von ihr skizzierte «Erfahrungsschule des sozialen Lebens» wird dieser Entwicklungsprozess begleitet und unterstützt. Die vorbereite Umgebung weitet sich aus auf reale, gesellschaftliche Lebensbereiche. Sie bietet den Jugendlichen vielfältige Erfahrungs- und Begegnungsmöglichkeiten. So können sie ihre Mitwelt und sich selbst aus unterschiedlichen Perspektiven erforschen, entdecken, verstehen, mitgestalten, verändern.

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"Das Jugendalter ist durch einen Zustand der Erwartung gekennzeichnet, durch die Bevorzugung von schöpferischen Arbeiten und durch das Bedürfnis, das Selbstvertrauen zu stärken."
Maria Montessori

Kompetenzerwerb

Drei grosse Bereiche prägen das Curriculum dieser Altersstufe:

  • Der Bereich der Bildung, der sich durch individuelle und gemeinsame Studien auszeichnet
  • Das soziale Handeln in schulischen und ausserschulischen Lebensräumen
  • Die berufliche Orientierung

In fächerübergreifenden Projekten können die Jugendlichen den Aufbau fachlicher und überfachlicher Kompetenzen – wie sie auch im Lehrplan 21 beschrieben sind - eng miteinander verbinden. Das individuelle, freie Lernen bietet vielfältige Möglichkeiten für persönlichen Ausdruck. Es wird in Bezug gesetzt zu gemeinsamen Aktivitäten und sozialem Austausch. Das Zusammenspiel von Gemeinschafts- und Individuumsorientierung wird bewusst gepflegt. Klare Strukturen - vom Lernmaterial über die Gestaltung von Lernumgebungen bis hin zu sozialen Regeln – ermöglichen Offenheit für individuelle Lernwege. Kompetenzbeschreibungen bieten hilfreiche Orientierungspunkte, um den Anschluss an die Berufsbildung und weiterführende Schulen zu gewährleisten.

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"Die menschliche Entwicklung in der einzigartigen Vielfalt wird uns nicht geschenkt. Sie ist uns aufgegeben."
Christel Manske

Werte und Ziele

Vielfalt wertschätzen

Die Lernumgebung ist darauf ausgerichtet, allen Jugendlichen mit ihren vielfältigen Lernvoraussetzungen und Lebensbedingungen gemeinsame und individuelle Lernaktivitäten zu ermöglichen. Wir versuchen, eine inklusive Haltung zu leben und den Unterricht für alle zu öffnen.

Partizipation leben

Gemeinsam gestalten wir unseren Schulalltag. In solchen Gestaltungsprozessen lassen sich demokratisch-partizipative Vorgehensweisen entwickeln. Diese einzuüben und zu praktizieren ist ein grundlegendes Anliegen der Sekundarstufe.

Lernprozesse anregen

Jeder Mensch ist auf seinem Entwicklungsniveau kompetent und lernfähig. Uns ist es wichtig, die Freude am Lernen zu entfachen, das Lernen zu lernen, Lernprozesse zu begleiten, Lernerfolge zu ermöglichen sowie gemeinsam ein entspanntes Lernklima zu schaffen.

Das Einmalige sehen

Jeder Mensch der Welt ist an einem Platz, an dem niemand vor ihm war und an dem nie jemand nach ihm sein wird. Jedes Leben ist ein Unikat. Wir schauen hin, um das Einzigartige zu erkennen und die Jugendlichen auf ihrem je einmaligen Weg zu begleiten.

Ethisches Handeln

Kompetenzerwerb bedarf eines ethischen Fundaments. Fragen der individuellen und kollektiven Verantwortung sind ein wiederkehrendes Thema. Der Aufbau einer Dialog- und Debattierkultur sind für uns von individueller und gesellschaftlicher Bedeutung.

Lebensraum mitgestalten

Individuelle Entwicklung geschieht nicht ausschliesslich um ihrer selbst willen. Sie findet ihren Sinn im Engagement für eine Lern- und Lebensgemeinschaft. Mit ihren Projekten nehmen die Jugendlichen Teil am sozialen Leben und engagieren sich in der Welt.

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"Die besten Methoden sind diejenigen, die beim Schüler ein Maximum an Interesse hervorrufen, die ihm die Möglichkeit geben, allein zu arbeiten, selbst seine Erfahrungen zu machen und die erlauben, die Studien mit dem praktischen Leben abzuwechseln."
Maria Montessori

Unterricht

Der Vielfalt der Lernenden entspricht die Vielfalt der Lernformen. Der Unterricht auf der Sekundarstufe ist insbesondere durch folgende Lern- und Arbeitsformen geprägt:

Projektunterricht

Aus gemeinsamen Projekten ergibt sich individuelles Lernen und Forschen, aus individuellem Lernen und Forschen gehen gemeinsame Projekte hervor. Drei Aspekte projektorientierten Lernens stehen dabei im Zentrum der Sekundarstufe:

  • Das fächerübergreifende Lernen
  • Das Lernen in realen Handlungsabläufen
  • Das Lernen am «Gemeinsamen Gegenstand».

Freies Arbeiten

Die tägliche Freie Arbeit der Montessori-Grundschule setzt sich auf der Sekundarstufe fort in die Studienzeit. Die freie Wahl bleibt weiterhin ein wichtiges Unterrichtsprinzip. Sie erstreckt sich auf die Inhalte, die Tätigkeiten, den Zeitpunkt und die Dauer der Arbeit, den Arbeitsplatz und die ArbeitspartnerInnen. Das Schreiben des individuellen Arbeitsplanes für die Studienzeit ist ein anspruchsvolles Lernfeld. Die dazu notwendigen Kompetenzen über wir schrittweise ein.

Kurse und Trainings

Integriert in die Studienzeit werden auch Kurse angeboten. Diese sind lehrgangmässig aufgebaut. Der Fremdsprachunterricht (Französisch, Englisch) findet in solchen Kursen statt. Diese Lektionen sind in der Woche fix eingeplant. Sie sind so auch im individuellen Arbeitsplan aufgeführt.

Kolloquien

In einem Kolloquium findet ein vorbereiteter Austausch zu laufenden Arbeitsprozessen statt. Einzelne SchülerInnen oder Gruppen geben sich gegenseitig Einblick in den Stand ihrer Arbeit und holen ein Feedback ein. Ziel eines Kolloquiums ist es, dass die SchülerInnen die Gruppe als Resonanzraum nutzen, um anschliessend ihre Arbeit mit neuen Impulsen fortzuführen.

Planungs- und Reflexionsgespräche

Diesen Gesprächen messen wir hohe Bedeutung zu. Sie helfen den Jugendlichen ihre Lernprozesse zusehends selbstorganisiert zu steuern und zu dokumentieren. Gegen Ende der freien Studienzeit folgt eine tägliche Reflexionsrunde in der Lerngruppe. Bei diesem Rückblick liegt der Schwerpunkt beim Lernen voneinander, dem Erwerb von Methodenkompetenz, der sozialen Perspektivenübernahme und dem persönlichen Ausdruck.

Praktika und Schnuppertage

Diese organisieren die Jugendlichen selbst. Die Lehrpersonen unterstützen und begleiten sie dabei. Der Vor- und Nachbereitung schenken wir grosse Aufmerksamkeit. Die Jugendlichen dokumentieren ihre Erfahrungen. Nach den Praktika und Schnuppertagen wird diese Dokumentation bearbeitet, ausgewertet und den anderen SchülerInnen präsentiert.

Workshops

Die Workshops decken thematisch ein breites Spektrum ab (musisch-gestaltende Bereiche, Sport & Bewegung, Medien & Informatik usw.). Die Jugendlichen können jederzeit Vorschläge für Workshops einbringen. Geleitet werden die Workshops von den Jugendlichen selbst, von beigezogenen Gästen, die auf einem bestimmten Gebiet über eine Expertise verfügen, von Lehrpersonen oder auch von Eltern.

Feste und Feiern

Feste und Feiern tragen dazu bei, die Gemeinschaft zu stärken, Leistungen aller Art und aller Jugendlichen zu würdigen, die Schule für Gäste zu öffnen, Rhythmen im Jahreslauf spür- und sichtbar zu machen. Feste und Feiern sind Orte der Begegnung und gehören unabdingbar zur Schule als Ort der Musse.

Exkursionen

Sie ermöglichen es den Jugendlichen, sich vor Ort zu einem Thema einen realen Einblick zu verschaffen und dabei mit Menschen unterschiedlicher Tätigkeitsbereiche in Kontakt zu treten. Sie tragen dazu bei, den Lernprozess zu vertiefen und erarbeitete Erkenntnisse mit erlebten Begegnungen zu vernetzen.

SchülerInnenfirma

Der Aufbau einer SchülerInnenfirma ist vor allem für das 9. Schuljahr vorgesehen. Vorformen sind bereits früher möglich. Das Arbeiten im Team, die Orientierung an realitätsnahen Handlungskontexten sowie die Prozessorientierung tragen zu einem besonders vielfältig vernetzen Kompetenzerwerb bei – fächerübergreifend und fachspezifisch.

Zyklusübergreifende Aktivitäten

Jugendliche, die Aktivitäten mit jüngeren Kindern planen und durchführen, erleben Selbstwirksamkeit, erweitern ihre personalen und sozialen Kompetenzen, übernehmen Verantwortung, erkennen, dass sie der nachfolgenden Generation etwas zu geben haben, dass sie Vorbilder sein können und andere Kinder ihnen Vertrauen entgegenbringen. Zyklusübergreifende Aktivitäten beziehen sich auch auf ältere Menschen.

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"Der Weg, auf dem die Schwachen sich stärken, ist der gleiche, wie der Weg, auf dem die Starken sich vervollkommnen."
Maria Montessori

Unterstützung von Jugendlichen mit besonderen Bedürfnissen

Die Sekundarstufe 1 steht SchülerInnen mit allen Arten und Schweregraden von Beeinträchtigungen offen. Wir sind bestrebt, das Unterrichtsangebot laufend so zu erweitern, dass alle Jugendlichen einen ihrem jeweiligen Entwicklungsniveau entsprechenden Zugang zu den Bildungsangeboten finden können. Jedes Kind ist auf seinem Entwicklungsniveau kompetent. Die Unterrichtsformen der Montessoripädagogik bieten weiten Spielraum für individuelle Lernwege und Zugangsweisen. Bei Bedarf, erhalten die Jugendlichen Support durch eine Assistenzperson. Weitere Angebote sind die Kooperation mit Schulischen HeilpädagogInnen, therapeutischen Fachpersonen und der Unterstützerkreis.

Standortgespräche und Lernberichte

In der Regel findet im zweiten und im vierten Quartal je ein Standortgespräch statt. In begründeten Fällen kann der Zeitpunkt auch anders angesetzt werden. Grundlage für das Gespräch ist das von den Jugendlichen präsentierte Portfolio. Es enthält von ihnen ausgewählte Arbeiten und das aktualisierte Kompetenzprofil. Im Gespräch werden Selbst- und Fremdeinschätzungen in Bezug gesetzt, weiterführende Beobachtungen und offene Fragen besprochen.
Übergeordnetes Ziel der Gespräche ist es, gemeinsam die Gelingensbedingungen zu schaffen, die dem/der Jugendlichen ein erfolgreiches Lernen ermöglichen. Stets geht es darum, Zukunftsperspektiven zu eröffnen. Am Ende des Schuljahres gibt es einen kompetenzorientierten Lernbericht. Wird an der Nahtstelle zur Berufsbildung oder zu weiterführenden Schule zwingend eine Notengebung verlangt, kann der Bericht mit Noten ergänzt werden.

Kontakt

Anmeldungen sind über das Kontaktformular auf der Website möglich. Senden Sie uns ihre Nachricht, wir nehmen anschliessend gerne mit Ihnen Kontakt auf. Es empfiehlt sich eine rechtzeitige Anmeldung. Die Plätze sind beschränkt. In der Regel erfolgt der Schuleintritt auf Anfang Schuljahr. In begründeten Fällen sind andere Eintrittszeitpunkte möglich. Hinweise zum Aufnahmeverfahren finden Sie unter der Rubrik Aufnahme.